Content-Marketing: Experteninterview Saša Ebach

aus der Kategorie "Tipps für Selbstständige"
Schwierigkeitsgrad: Etwas mehr als Anfänger

Saša Ebach ist Autor, Gründer und Chefredakteur des Content-Marketing-Magazins. Heute stellt er sich den Fragen von Homepage-Baukasten.de um Gründern den Start in SEO und Content Marketing zu erleichtern.

Hallo Saša! Vielen Dank für deine kostbare Zeit. Würdest du dich unseren Usern kurz vorstellen. Wer bist du und was hast du bisher gemacht?

Ich habe für die Einladung zu danken. Mein Name ist Saša Ebach. Aktuell (Nov. 2015) starte ich mit dem Content-Marketing-Magazin eine neue Online-Publikation. Wie der Name schon sagt, geht es ausschließlich um Content-Marketing.

Autor Saša Ebach

Der Weg zum Magazin war allerdings äußerst lang. Ich bin seit 2001 im Netz selbständig unterwegs und habe dabei ziemlich viele Stationen durchlaufen. Ursprünglich habe ich als Programmierer gearbeitet und mich lange Zeit der Webentwicklung und dem Design hingegeben. Ganze Content-Management-Systeme und Onlineshops von Grund auf zu programmieren, das hat mich damals fasziniert.

So kam ich dann ca. 2002–3 dazu, mich mit dem Thema Suchmaschinenoptimierung auseinander zu setzen. Schließlich sollten die frisch programmierten Kunden-Websites alle super ranken. Damals ging es noch darum Title-Tags zu optimieren und die Meta-Description richtig auszufüllen. Viele Systeme entstanden zu diesen Zeiten ohne Rücksichtnahme auf ordentliche SEO-Grundlagen. SEO-Plugins waren eher die Ausnahme und nur die wenigsten Entwickler hatten das Thema SEO auf dem Radar. Das hat sich in der Zwischenzeit sehr zum Positiven hin verändert.

Am Ende jeder SEO-Beratung stand immer eine klare Empfehlung:

  • Wenn die Fehler auf der Website weg sind und
  • neuer – auf die richtigen Keywords optimierter – Content geschaffen ist,
  • was fehlt dann noch? Links.

Du brauchst Links. Denn ohne Links geht’s leider nicht. Das ist bis heute noch wahr.

So habe ich mich dann seit ca. 2007 auf den Bereich „organischen“ Linkaufbau spezialisiert. Organisch heißt: Links aufbauen, ohne dafür zu bezahlen. Was allerdings nicht heißt, dass organischer Linkaufbau nichts kostet.

Ohne Agentur, mit Agentur, dann wieder ohne Agentur so ca. bis 2012.

Mir sind zu dieser Zeit schon viele weitere Marketinginitiativen aufgefallen, die – ähnlich wie der Linkaufbau – hauptsächlich auf gute Inhalte setzen, um Ziele zu erreichen, die nicht direkt mit dem Abverkauf von Waren zu tun haben. Irgendwo habe ich dann mal den Begriff Content-Marketing entdeckt und war erstaunt darüber, dass das, was ich da las, dem Linkaufbau so ähnlich ist. Es stellte sich heraus, dass dieses Content-Marketing tatsächlich die Mutterdisziplin des Linkaufbaus ist und dabei deutlich mehr Facetten hat. Keine Frage also, dass ich selbst so etwas wie ein Upgrade durchführen wollte.

Zuerst nur als Projektbüro und dann über diverse Dienstleistungen, wie den Contentpiloten über den Content-Marketing-Workshop hin zum Content-Marketing-Magazin.

Das ist im Kern meine Laufbahn.

Würdest du für unsere Gründer SEO und Content-Marketing aus deiner Sicht kurz definieren. Wo sind die Unterschiede? Was ist wichtig?

Unter das Content-Marketing fallen alle Aktivitäten, die mit Content und Kommunikation zu tun haben und die irgendwie „indirekt“ zum Ziel führen, z. B. mehr Produkte und Leistungen verkaufen. Eine genauere Definition habe ich hier vorgestellt: „Was ist Content-Marketing?“.

Unter den Bereich SEO fallen für mich alle Aktivitäten, die potenziell dazu führen, dass sich die Reichweite über die Suchmaschinen verbessert. Das kann etwas mit Content-Marketing zu tun haben, muss es aber nicht. Im Kern bleibt es bei dem, was ich in der letzten Frage beantwortet habe. Die Suchmaschinenoptimierung

  1. optimiert Seiten- und interne Linkstrukturen (Onpage),
  2. sie schafft neue Inhalte – speziell für die Suchmaschine, sodass diese die Website/Website besser bewertet und (Content + Keywords)
  3. beschafft neue Links (hoffentlich legitime) und unterstützt dabei ebenfalls die Rankingverbesserung. (Offpage)

Das muss alles nahtlos ineinandergreifen, da jede dieser drei Teildisziplinen sehr komplex ist, gibt es für alle Gebiete mittlerweile entsprechende ExpertInnen.

Hältst du für jeden Gründer den Kanal SEO/Content-Marketing für geeignet? Wie finden Gründer heraus ob dies für sie der richtige Weg ist?

Sicher nicht für jeden Gründer, aber die meisten. Wer davon ausgeht, dass die eigenen Interessenten und Kunden schon alles wissen und nicht mehr an interessanten neuen Informationen interessiert sind, der braucht sicher kaum gute Inhalte oder Content-Marketing. Oft funktioniert da auch die gute, alte Werbung.

SEO muss jeder machen, der über Google neue Kunden oder Leser bekommen möchte. In den meisten Fällen ist das immer noch einer der wichtigsten und lukrativsten Kanäle. Wenn meine Mitbewerber über die Suchmaschinen gut gefunden werden, dann ist das ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Wichtiger als die rein technische Seite der Suchmaschinenoptimierung, sind allerdings die Inhalte, Links und das Publikum. Hier kann Content-Marketing helfen, denn es sorgt sich genau um diese Inhalte und übernimmt die Kommunikation mit potenziellen Kooperationspartnern.

Wer braucht SEO und/oder Content-Marketing? Wer dieses Interview bis hierhin gelesen hat, braucht wahrscheinlich beides.

Wie und wo starten Start-Ups am besten nach dem Launch ihrer Homepage?

Content-Marketing startet vor dem Launch der eigenen Homepage. Denn gleichzeitig soll ja auch klar sein, dass so eine Homepage wichtige Informationen für Kunden (und die, die es werden wollen) beinhaltet. Es muss ein Redaktionsplan her, aus dem hervorgeht,

  • wozu etwas produziert wird (neue Kunden, neue Links, weniger Koste etc.),
  • welches Thema,
  • von wem,
  • zu welcher Zeit,
  • an welchem Ort,
  • in welchem Umfang, welchem Stil, welcher Tonalität, welchem Format etc.
  • und an welche Zielgruppe gerichtet

veröffentlicht wird.

So ein Redaktionsplan ist Teil einer Content-Marketing-Strategie, die beschreibt, wozu dieses Content-Marketing überhaupt gemacht werden soll. Schließlich macht man ja eine Homepage, um seinen Besuchern etwas zu bieten. Nämlich wertvollen Content.

Was so eine Content-Marketing-Strategie ist, habe ich mit einigen Beispielen im Podcast „Content-Marketing einfach gemacht“ ausführlich in Folge 3 Die Content-Marketing-Strategie etwas genauer erklärt.

Welche Fehler dürfen beim Beginn auf keinen Fall gemacht werden? Wo siehst du Hürden? Wie können Probleme vermieden werden?

Ohne Plan loslegen, ist wohl das größte Problem. Das ist auch nicht wirklich neu. Schon im 17. Jahrhundert wusste man:

„Wer vor seiner Zukunft steht wie vor einem Spieltisch und auf den blinden Zufall harrt, der ist ein Tor. August von Kotzebue (1761 – 1819), dt. Dramatiker.“

Wer noch ganz am Anfang der Planung steht, der beschafft sich am besten professionellen Beirat oder investiert in Weiterbildung.

Was ist, aus deiner Sicht, guter Content? Hast du Tipps zur Erstellung?

Das kann ich kurz beantworten: Der beste Content erfüllt alle für ihn gesetzten Ziele. Ziele, die ich meiner Content-Marketing-Strategie niedergeschrieben habe. Wenn dort z. B. steht: „Jeder Content in der Rubrik XYZ erzielt spätestens ein Jahr nach Veröffentlichung mindestens 10 externe Links“ und dann trifft das nach dieser Zeit sogar zu, dann war der Content wohl gut.

Wer sich eine ca. 20 minütige Erklärung anhören möchte, der findet diese in Folge 6 Was sind „gute“ Inhalte.

Was die Erstellung betrifft, so gibt es hierzu einen guten Prozess. Am Anfang sollte immer die Frage stehen: Was und bei wem lesen meine zukünftigen Kunden heute. Wenn ich das beantworten kann, dann kann ich daraus Themen ableiten. Die richtigen Themen wollen dann in passende Formate verpackt werden.

Welche Tools, Programme, Anwendungen etc würdest du für einen Start im Bereich der Suchmaschinenoptimierung empfehlen?

Es gibt viele gute SEO-Tools im Markt. Gefühlt sind es Tausende. Ich empfehle für den Anfang keines. Denn es kommt ja auch darauf an zu wissen, zu welchem Zweck man ein Tool überhaupt einsetzen möchte: Onpage-Anaylse, Themenanalyse, Linkanalyse etc.

Gerade am Anfang würde ich mir da eher professionelle Unterstützung mit ins Boot holen oder wenigstens einen guten Workshop besuchen. Die Toolfrage wird in der Regel erst viel später relevant.

Zuerst geht es darum, eine solide Basis zu schaffen (Content und Links), die dann überhaupt optimiert werden kann. Aus technischer Sicht kann man da mit den modernen und geläufigen Publikationsplattformen (WordPress etc) kaum etwas falsch machen. Es ist sogar noch nicht einmal eines der SEO-Plugins zwingend notwendig, weil Google in den letzten Jahren immer besser darin geworden ist, auch „konfuse“ Plattformen gut zu verstehen.

Aus SEO-Tool-Sicht sind wohl zwei Fragen besonders wichtig:

  1. Wie finde ich die Keywords, die meine Kunden suchen, um das zu kaufen, was ich anbiete? Hier ist das beste Tool, das ich hierzu kenne: Klick.
  2. Wie konzipiere ich Inhalte, die ich einem verlinkungsaffinen Publikum vorstellen kann, sodass diese gerne und freiwillig darauf verlinken? Das beste Tool dazu (außer das Tool aus 1.) ist hier zu finden.

Technische Tools erleichtern vor allem den Profis die Arbeit. Im späteren Verlauf und wenn es um komplexe Websites geht, haben sie definitiv ihre Daseinsberechtigung. Direkt nach dem Start einer neuen Homepage sind sie aber eher selten wirklich notwendig. Da ist es wichtiger zu trainieren, wie man die richtigen Fragen stellt und z. B. entsprechende Branchenevents zu besuchen, sich auszutauschen und zu lernen, lernen, lernen.

Welche Strategie würdest du Jungunternehmern mit wenig Budget empfehlen?

Alles selbst machen. Wer kein Geld hat, der hat Zeit im Überfluss. Wer beides nicht hat, der hört lieber wieder auf, denn das wird dann nichts.

Lesen, hören und zuschauen. Websites, Podcasts und Youtube. Man kann mit entsprechenden Zeiteinsatz, sagen wir so 3–6 Monate intensives Netz-Studium fast alles selbst lernen. Denn so schwierig ist SEO oder Content-Marketing jetzt auch wieder nicht. Es ist lediglich viel Arbeit.

Worauf kommt es beim Content-Marketing in den kommenden Jahren aus deiner Sicht an? Einen Tipp den du unbedingt loswerden möchtest?

Den absolut heißesten Tipp, denn ich zu diesem Zeitpunkt geben kann: Eine gute Homepage ist Pflicht. Genauso wichtig ist es aber, mit all den Interessenten und Kunden in Kontakt zu bleiben. Und dazu ist die gute, alte E-Mail immer noch das beste Tool. Es geht um Content und Kommunikation. Hören Sie auf, Ihre Rankings zu checken. Sie müssen in ein System investieren, das Ihre Interessen über die Homepage in Ihren E-Mail-Verteiler bugsiert, um diese dann dort regelmäßig mit – genau den richtigen – Informationen zu versorgen. Wenn Sie dies nicht machen, kann SEO und Content-Marketing niemals sein volles Potenzial entfalten.


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